High-Tech für die ambulante Pflege

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Gepostet am:
1.2.19

Entwicklung des Ambulanten Pflegemarktes

Für pflegebedürftige Menschen gilt in der deutschen Gesundheitspolitik als wichtiger Leitsatz: „Ambulant vor Stationär“ (§13 Abs. I SGB XII). Widergespiegelt wird dieser Leitsatz in der Entwicklung des ambulanten Pflegemarktes, der von 2010 bis 2030 eine Steigerung des Marktvolumens um rund 36% von 25,3 Mrd. € auf 42,7 Mrd. € erwarten lässt [1]. Ähnliche Entwicklungen zeigen sich auch beim Wachstum der ambulanten Pflegedienste (PD). So können fast alle Größenkategorien (Ausnahme: PDs mit 50-100 Versorgungen) ein zweistelliges Wachstum der Kundenzahl innerhalb des letzten Jahres aufweisen [2]. Auffällig ist, dass insbesondere die großen Gruppen, Konzerne und Verbände die größten Zuwächse (17%) verzeichnen können, sodass die Top 15 PDs im ambulanten Markt einen Marktanteil von 3% aufweisen und die Top 100 immerhin knapp 5%. Die ambulante Pflege in Deutschland ist folglich ein Grundpfeiler zur Begegnung des demographischen Wandels und der prekären Pflegesituation, jedoch zeigen sich bei genauerer Untersuchung der Prozesse innerhalb der Pflegedienste erhebliche Digitalisierungspotentiale.

„Altenpflege wird eine menschliche Dienstleistung bleiben. Aber die Prozesse darum werden voll digitalisiert“ (Caritas, [3])

Potential von Optimierungsunterstützung

Aus Interviews mit zahlreichen PDs und den dortigen Leitungen (PDL) zeigt sich, dass zahlreiche Prozesse heute noch manuell – wenn überhaupt gering digital unterstützt – durchgeführt werden. So zum Beispiel die Touren- und Personaleinsatzplanung, die von allen auf dem deutschen Markt vertretenen Pflegesoftware-Anbietern zwar unterstützt wird, allerdings dennoch aufgrund der Komplexität manuell erfolgen muss. Bei näherer Betrachtung der Planungsmöglichkeiten ergibt sich jedoch bereits für mittlere Pflegedienste (ab 15-20 Vollzeitkräften) eine Anzahl an möglichen Touren, die unter Berücksichtigung der Nebenbedingungen, wie Qualifikationen, Vorgabezeiten oder Wunschpflegekraft vom Menschen nicht annähernd überblickt werden kann. Dazu kommen unvorhergesehene Vorfälle, beispielsweise durch spontane Änderungen auf Seiten der Kunden oder der Pflegekräfte. Insgesamt verbringen somit täglich tausende PDLs ihre Zeit mit der Planung und Steuerung ihrer Touren und stehen – mathematisch gesehen – vor einer unlösbaren Aufgabe.

„[Die Kommune muss] in der Etablierung neuer und innovativer Modelle unterstützen die z.B. zur Verringerung der Wegezeiten beitragen“ (Caritas Köln und Diakonie Michaelshoven, [4])

Warum gibt es bislang keine Software zur automatischen Touren- und Personaleinsatzplanung in der ambulanten Pflege?

Klassische Optimierungsansätze, die seit Jahrzehnten in zahlreichen logistischen Prozessen angewandt werden, eignen sich aus zwei Gründen nicht:

  1. Die Modellierung der Faktoren, wie beispielsweise Wunschzeiten, Wunschpflegekraft oder Besonderheiten bei den Klienten, ist in klassischen Verfahren nicht ohne Weiteres möglich. Um ein Höchstmaß an Kundenzufriedenheit zu erreichen und die Patienten in den Fokus zu stellen, sind diese Faktoren jedoch unabdingbar.
  2. Derart komplexe und umfangreiche Optimierungsprobleme, wie sie in der ambulanten Pflege vorliegen, würden entweder sehr hohe Rechenleistungen erfordern, oder eine tagelange Rechenzeit aufweisen – zwei Charakteristika, die mit der Dynamik in der ambulanten Pflege unvereinbar sind.

adiutaByte – Ein neuartiger Optimierungsansatz für die ambulante Pflege

Die adiutaByte Technologie, die in vielen Jahren Forschung am Fraunhofer Institut für Wissenschaftliches Rechnen und Algorithmen entwickelt wurde, basiert im Gegensatz zur klassischen Optimierung auf einem Zusammenspiel verschiedener mathematischer Disziplinen und Verfahren, um den Anforderungen eines dynamischen Arbeitsumfelds bestmöglich gerecht zu werden. Auf diese Weise können innerhalb kürzester Zeit Tourenpläne für jede PD-Größe erstellt und dynamisch angepasst werden, unter Berücksichtigung aller pflegerelevanten Einflüsse.

In einer Konzeptstudie wurde gezeigt, dass durch die Technologie täglich bis zu 20% der Fahrtzeiten eines ambulanten Pflegedienstes eingespart werden konnten und diese Zeit somit für die eigentlichen Aufgaben der Pflegekräfte zusätzlich zur Verfügung stand, basierend auf einer tiefgreifenden Planungsoptimierung. Durch die akkuraten Reisezeitabschätzungen dank detaillierter Straßenmodelle ist es möglich, morgens einen Plan zu generieren, der mittags auch noch eingehalten werden kann.

Insgesamt wendet sich die Optimierungssoftware an PDs aller Größen. Besondere Potentiale ergeben sich bei großen PDs oder bei PDs mit mehreren Standorten, da hier eine Optimierung über die derzeitigen Planungsgrenzen hinweg erfolgen kann. Eine ausführliche Darstellung der Optimierungspotentiale und wie PDs ihre Pflegekräfte somit besser entlasten können, folgt in einer ausführlichen Studie.

Quellen:

[1] Handelsblatt. (n.d.). Markvolumen in der ambulanten und stationären Pflege in Deutschland in den Jahren 2000 bis 2030 (in Milliarden Euro). In Statista - Das Statistik-Portal. Zugriff am 1. Februar 2019, von https://de.statista.com/statistik/daten/studie/786456/umfrage/markvolumen-in-der-ambulanten-und-stationaeren-pflege-in-deutschland/.

[2] https://www.pflegemarkt.com/2018/01/24/wachstum-und-entwicklung-von-ambulanten-pflegediensten/

[3] https://www.caritas.de/magazin/kampagne/sozial-braucht-digital/startseite-kampagne-2019

[4] Kölner Erklärung zur Pflegesituation der Caritas Köln und Diakonie Michaelshoven (2018)